Sachverständigenbüro für Schriftuntersuchungen
Dipl. Phys. Rolf E. Berty
 

Abgrenzungen

Schriftvergleichung

befaßt sich mit den Grundlagen, der Methodik und der Praxis der Untersuchung von handschriftlichen Erzeugnissen aller Art zur Feststellung ihrer Echtheit/Unechtheit, der Urheberidentität, des Entstehungszeitraumes und der Entstehungsbedingungen im Dienste der Rechtsprechung.


Schriftpsychologie (deutende Grafologie)

versucht, aufgrund von Handschriftmerkmalen Persönlichkeitseigenschaften anzugeben. Es gibt eine Reihe von Argumenten, die veranschaulichen, warum ich grafologische Persönlichkeitsbeschreibungen für unverantwortlich halte, sobald ihre Intentionen den Rahmen von Partyspielen überschreiten.

 

Gegen die Schriftpsychologie sprechen folgende Punkte:

1. Mangelnde Validität - Die Zuweisungen von Persönlichkeitseigenschaften zu den Schriftmerkmalen üblicher grafologisch-schriftpsychologischer Deutungstabellen sind mehrfach vieldeutig und eröffnen dem deutenden Grafologen einen bemerkenswerten Interpretationsspielraum. Die Vorgehensweise ist dementsprechend intuitiv. Mit dem Ergebnis, daß die Beschreibung der Persönlichkeit eines Handschrifturhebers nicht viel mehr ist als eine Auswahl von Projektionen aus dem subjektiven Erfahrungsschatz des Grafologen auf das Objekt seiner Betrachtungen.

2. Mangel an Objektivität - Anders als im Assessment-Center gilt das Vielaugenprinzip hier nicht; eine Einbettung in reale aktuelle soziale Kontexte entfällt als Grundlage der schriftpsychologischen Betrachtung völlig - es wird hier der Versuch einer umfassenden, allgemeinen Beschreibung unternommen. Nach dem Spiegel-Prinzip jedoch stellt sich eine Persönlichkeit in Wechselwirkungen mit Anderen je anders dar und wäre subjektiv jeweils anders zu beschreiben. Eine allgemeingültige Beschreibung kann es nicht geben. Erst recht muß der Versuch einer objektiven Beurteilung von Menschen vergebens sein.

3. Ungenügende Berücksichtigung besonderer Schreibumstände - Schriftpsychologie hat schon seit jeher auf motivationale Aspekte abgehoben. Praktisch alle Tabellen beruhen auf Untersuchungen mit natürlichen Alltags-Handschriften. Besondere äußere oder andere innere Schreibumstände werden meinem Wissen nach nicht berücksichtigt. Affektionen des ZNS, Intoxikationen, Läsionen des ausführenden Organs, Behinderung der Sehfähigkeit, aber auch beispielsweise Schreiben im Liegen, bei Handstützung, bei Erschütterungen etc. spielen offenbar keine Rolle.

4. Die Schreibspur der Persönlichkeit ist oft nicht zeitnah - … und versucht damit einen Menschen zu beschreiben, der (so) nicht mehr ist. Damit reduziert die schriftpsychologische Betrachtung einer Persönlichkeit deren Entwicklungschancen, denn

5. Grafologie legt fest - Es bleibt nur noch wenig offen. Eine manifeste Beurteilung von Menschen kann leicht zu self-fulfilling prophecíes führen. Die beschriebene Person werde wie ihr (Schrift-)Bild!